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Man mag es zu den Standardreflexen menschlichen Verhaltens zählen:
das
Bedürfnis nach Vereinfachung. Ebenso wahrheitsgemäß
ließe sich auch das Gegenteil behaupten: Konfrontiert
man den Menschen mit klaren, überschaubaren, berechenbaren
Sachverhalten, wird er schon aus Langeweile, Experimentierlust
und Trotz, einen Weg finden, abzuweichen, die Dinge zu stören,
seine eigenen Überraschungen zu produzieren und erst im
Zusammenbruch Befriedigung finden. Reduktion
schafft im Übrigen die Komplexität
nicht aus der Welt. Das entscheidende Kennzeichen von Komplexität
ist vielmehr, dass man es mit der Notwendigkeit zu tun hat,
eine Auswahl des Wichtigen zuungunsten des Unwichtigen zu treffen,
gleichzeitig jedoch weiß, dass das, was heute unwichtig
ist, morgen schon wichtig sein kann. Wer sich dessen bewusst
ist, begreift Komplexitätsreduktion
nicht als Camouflagetaktik in den Zonen der Undurchschaubarkeit,
sondern als Mittel zum Zweck. Trotz oder gerade im Bewusstsein
zunehmend komplexer Sachverhalte,
gilt es zuletzt, seine Entscheidungsfähigkeit zu erhalten.
Und weil es dem Menschen wesentlich leichter fällt, zu
einem stabilen, ja sogar berechenbaren Verhalten zu finden,
wenn er es mit überraschenden, intelligent feindseligen,
mangelhaft kommunizierbaren: kurz wenn er es mit komplexen Sachverhalten
zu tun hat, ist Komplexität
nicht zuletzt ein Katalysator. Darin (und nur darin) beschleunigt
sich die Autonomie des Entscheidungsträgers. Mehr denn
je ist er darauf angewiesen, einen eigenen Weg zu finden. Und
er wird einen Weg finden. |
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Quellentexte
1 „Komplexität als Lösung“, in: Dirk Baecker,
Postheroisches Management,
Ein Vademecum, Berlin 1994
2 „Komplexität als Problem“, a.a.O.
Weiterführende Bibliografie
1 Reinhald Goetz, Abfall für alle, Frankfurt a.M. 1999
2 Daniela Rippl, Eva Ruhnau [Hrsg.], Wissen im 21.Jahrhundert. Komplexität
und Reduktion, Paderborn 2002 © Konzept, Gestaltung,
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